Das Trojanische Schiff?

Hans-Joachim Gregor, Geologe, Paläontologe und Archäologe hat sich Gedanken über das Trojanische Pferd gemacht, genau wie sein auf antiken Schiffsbau spezialisierter italienischer Kollege Francesco Tiboni. Beide Fachmänner kamen nun zu dem Schluss: Erzähle uns nichts vom Pferd.

Wie Gregor errechnete, hätten sich im Inneren des Pferdes nur etwa 30 bis 50 Krieger in voller Rüstung verstecken können. Dazu soll das Versteck auf 6 bis 8 Meter hohen Beinen gestanden haben und auf Rollen in die Stadt gezogen worden sein. Bei dieser etwas wackelig anmuteden Konstruktion hätten sich wahrscheinlich enorme statische Probleme – Kippgefahr – ergeben. Bei einem flachen Bootsrumpf hingegen nicht.

Eine weitere Ungereimtheit besteht darin, das es in der Sage heißt, dass das Stadttor viermal verbreitert werden musste, nicht erhöht, damit der hölzerne Koloss durchpasste.

Der Text von Homer werde daher nur stimmig, wenn davon ausgegangen wird, dass es sich nicht um ein Pferd, sondern um ein Schiff gehandelt haben muss, resümiert der Fachmann Hans-Joachim Gregor. Ein Schiffsrumpf als Versteck für die Krieger wäre zudem eher logisch nachvollziehbar, als eines auf schwer zugänglicher Höhe.

Gregor argumentiert zudem, das Homer seine Geschichte erst einige Hundert Jahre nach dem Trojanischen Krieg niedergeschrieben habe. Es wäre nicht die erste Sage, bei der die Dichtung die Wahrheit überflügelt hat, und im Laufe der vielen Jahren das ursprüngliche Ereignis nicht mehr eins zu eins wiedergegeben wurde.

Es gibt zwar etliche Bilder vom Trojanischen Pferd, aber diese wurden erst fast zwei Jahrtausende nach der Niederschrift der Legende geschaffen. Diese Darstellungen sind also die Werke purer Fantasie und scheiden damit als Beweise ebenfalls aus.

Laut Francesco Tiboni stand das altgriechische Wort „hippoi“ außerdem nicht nur für ein Pferd, sondern es wurde auch für einen Schiffstyp benutzt, der in der Antike im Mittelmeer weit verbreitet war. Diese etwa 15 Meter langen Lastenkähne schmückte oft ein Pferdekopf als Galionsfigur, wie archäologische Funde aus der Zeit bestätigen.

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