Die Kunst anzukommen

Eine sich entwickelnde „Navigationskunst“ mit auf die Seefahrt abgestimmten Instrumenten und hochseetüchtigen Schiffen versetzte die europäischen Nationen in die Lage, im Gefolge der Entdecker, neue Handelswege zu erkunden. Das war auch bitter nötig, denn der Westteil des Mittelmeers war muslimisch und nur noch befahrbar, wenn die Kaufleute bereitwillig hohe Abgaben zahlten. Das christliche Europa verarmte.

Die Kapitäne europäischer Nationen begannen, in Südostasien und in der Karibik Handel zu treiben. Neu gegründete Handelsgesellschaften eroberten Land und bauten Stützpunkte entlang der Reiserouten und in ihren Zielländern, um die Ausbeutung zu erleichtern und den Handel zu sichern. Die Navigationskunst zu dieser Zeit kannte drei Verfahren, die miteinander kombiniert wurden:

1. Das Segeln auf dem Meridian

2. Das Segeln nach der Breite

3. Das Segeln nach Gissung (Besteckrechnung)

Segeln auf dem Meridian

Man orientierte sich in der Navigation an dem Polarstern, der zuverlässig und recht genau die Nordrichtung anzeigte. Wenn aber, auf einer Fahrt nach Süden, der Polarstern auf acht Grad nördlicher Breite am Horizont versank, verloren einige Seefahrer die Orientierung und kehrten lieber wieder um.

Segeln nach der Breite

Eine relativ sichere Navigationsmöglichkeit bestand in der Methode des „Segelns nach der Breite“. Man segelte nach Süden bis zu einem markanten Punkt, beispielsweise einer Insel, deren Breitengrad bekannt war, und von dort aus auf dem Breitengrad nach Westen. Mit dieser Methode gelangten die Entdecker, wie beispielsweise Kolumbus für die Spanier nach Mittelamerika und Cabral für die Portugiesen nach Brasilien. Es gibt allerdings Quellen, nach denen Kolumbus nur der Besteckrechnung vertraut haben soll und Cabral nur durch Zufall nach Brasilien gelangte.

Die Berechnung der geographischen Breite beruhte auf der Messung des Winkels zwischen dem Horizont des Beobachters und beispielsweise dem Polarstern oder der Sonne im Zenit. Um die gemessene Höhe der Sonne in die Breite des Beobachters umzuwandeln, musste man ihre Deklination kennen. Um 1509 war diese Deklination, die sich mit dem Datum ändert, für portugiesische Navigatoren in gedruckter Form verfügbar. Bei dem fast über dem Nordpol stehenden Polarstern war die Feststellung der Breite noch einfacher, da seine Höhe bis auf geringe Abweichungen dem Breitengrad entsprach.

Bei ruhiger See und genauer Messung war der Breitengrad so relativ exakt zu ermitteln. Nur wie weit man nach Osten oder Westen gesegelt war, wusste man nicht genau, sondern war auf Erfahrung und Schätzungen angewiesen. Eine verlässliche Methode zur Bestimmung des Längengrades lag noch in weiter Ferne.

Kannte man die Höhe und die Deklination des beobachteten Himmelskörpers, benutzte man die Formel: Breite = Deklination + Zenit-Distanz

Zenit-Distanz = 90 Grad – gemessene Höhe des Himmelkörpers

Segeln nach Gissung

Eine andere Navigationsmethode dieser Zeit (und noch 250 Jahre danach) war das Gissen. Es war eine Methode, die man wegen ihrer Imponderabilien auch als Schätzung bezeichnen könnte. Man hielt die gesegelten Kurse und zurückgelegten Distanzen fest und versuchte, den Rückweg über diese Aufzeichnungen zu finden.

Die hochseetüchtigen Schiffe

Eines der ersten hochseetüchtigen Schiffe, die „Karavelle der Entdeckungen“, war in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein 60 bis 80 Tonnen schweres Schiff mit zwei bis drei Masten und Lateinerbesegelung. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde die Karavelle auf 130 bis 180 Tonnen vergrößert und erhielt eine kombinierte Besegelung aus Lateiner- und Rahsegeln. Die Tragfähigkeit der kraweelbeplankten Schiffe mit dem langgezogenen Kastell am Heck wurde später bis auf 400 Tonnen erhöht.

Auch die katalanische Nao wurde im 15. Jahrhundert ständig vergrößert und führte an zwei Masten Rahsegel und am achteren Mast ein Lateinersegel. Eine Weiterentwicklung aus diesen Schiffstypen und ein Gegenstück zur Kogge war wahrscheinlich die Karracke, die erheblich schwerer, länger und breiter war als die Karavelle und dadurch noch mehr Besatzung und Ladung aufnehmen konnte. Typisch für die dreimastigen Karracken waren ihre bauchige Form mit den hohen Seiten sowie das Bug- und das Heckkastell.

Die Niederländer segelten mit einem neuentwickelten Schiff, der Fleute. Dieses Schiff hatte den niederländischen Gegebenheiten entsprechend wenig Tiefgang und erhielt eine neuartige und effiziente Rahbesegelung, die das Schiff schnell und besser manövrierfähig machte. Auf dem bauchigen Schiff mit dem nach achtern steil ansteigendem Deck fand man nur noch ein kleines Heckkastell und ein rundes Heck.

Die bis zu 42 Meter lange Fleute begründete im 17. Jahrhundert den guten Ruf der Niederländer als „Fuhrleute zur See“. Wenn man heute Modelle oder Nachbauten dieser Schiffe betrachtet, fragt man sich wegen ihrer hohen Aufbauten allerdings, wie es um ihren Schwerpunkt bestellt war.

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