Geschichte(n) der Instrumente

Instrumentenbauer bis zum 19. Jahrhundert

In der Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert ermöglichten neu entwickelte Navigationsinstrumente und Neuerungen im Schiffbau mehreren europäischen Nationen eine Ausweitung ihrer hegemonialen Ansprüche in Übersee. Es handelte sich dabei um Portugal, Spanien, die Niederlande, Frankreich und England. So findet man beispielsweise im „Museu de Marinha“ (Marinemuseum) in Lissabon aus der Anfangszeit der europäischen Navigation eine große Anzahl von aus Wracks geborgenen Seeastrolabien, die im 15. und 16. Jahrhundert ein wichtiges Winkelmessinstrument waren. Es handelt sich um Astrolabien, die man für den Gebrauch auf See geändert hatte.

Im Laufe der Jahrhunderte lagen die Schwerpunkte der Herstellung wissenschaftlicher Instrumente einschließlich der Navigationsinstrumente, bei denen es sich unter anderem um Sonnenuhren und Winkelmessinstrumente handelte, in verschiedenen Ländern. Die wesentlichen Ursprungsländer für antike Instrumente sind dabei aus heutiger Sicht Deutschland, die Niederlande, Frankreich und England.

Deutschland

Die ältesten Klappsonnenuhren entstanden im 15. Jahrhundert in Wien. Wahrscheinlich wurden sie von Georg Peuerbach gebaut. Auch Johannes Regiomontan baute in dieser Zeit Sonnenuhren. Die Kompasse in den Sonnenuhren dieser Periode gaben bereits die Missweisung an.

Berühmte Hersteller von Instrumenten für die Astronomie und Vermessung sowie Sonnenuhren waren Jost Bürgi, Erasmus Habermel und Christoph Schißler. Die Herstellung ihrer Instrumente, die zumeist von Fürsten, Königen oder reichen Bürgern finanziert wurde, erreichte ihren Höhepunkt in der Herstellung von „Büchsensonnenuhren“. In diesen Instrumenten konnten unter anderem Funktionen für die Winkelmessung, Sonnen- und Nachtuhren, Kalender und astrologische Funktionen vereinigt sein.

Für ihre Sonnenuhren berühmt waren in Deutschland die Instrumentenbauer aus Nürnberg (Nurembergae) und Augsburg (Augspurg). Bei Erhard Etzlaub waren sie noch aus Holz, während Georg Reimann, Georg Hartmann, Hieronymus Reimann, Hans Tucher, Lienhard Miller, Johann Martin und Hans Troschel vom 16. bis in das 18. Jahrhundert für ihre wunderschönen Sonnenuhren meistens Elfenbein verwendeten. Im 17. Jahrhundert kam es dabei durch den Dreißigjährigen Krieg zu einer Unterbrechung in der Herstellung von wissenschaftlichen Instrumenten.

Georg Friedrich Brander, der im 18. Jahrhundert in Augsburg lebte und arbeitete, war der letzte Hersteller kunstvoller und genauer Sonnenuhren. Er stellte außerdem Fernrohre, Feldmessgeräte, Mikroskope, große Quadranten, Spiegelteleskope und Theodoliten her. Seine Instrumente zeichnen sich durch ihre funktionale Schönheit und ihre sorgfältige Herstellung aus. Besonders seine Spiegelteleskope ließen ihn bekannt werden, weil er eine überaus standfeste Legierung für die Spiegel entwickelt hatte.

Eine weitere Erfindung sind die Glasmikrometer, feine, in Glas geritzte Maßstabsskalen, die er mit einer eigenen Teilungsmaschine herstellte. Er wurde Mitglied der kurfürstlich bayerischen Akademie in München und lieferte seine Instrumente unter anderem an Akademien, Universitäten, Observatorien, Fürstenhöfe und Königshäuser. Brander veröffentlichte zahlreiche Beschreibungen und Gebrauchsanleitungen der Instrumente in seinem Lieferkatalog, sodass man danach noch heute Restaurierungen durchführen kann. Auf dem Kunstmarkt des 21. Jahrhunderts sind seine Instrumente sehr begehrt.

Im 19. Jahrhundert ist die Firma C. Plath mit ihrem Vorgänger und Gründer David Filby bemerkenswert, der eine vierjährige Lehre als „Mechanikus“ in der Mechanikwerkstatt von Heinrich Johann Kosbü, Kehrwieder in Ham­burg, absolviert hatte.

Nach Abschluss seiner Lehrzeit im Jahr 1840 richtete sich Filby am Hamburger Hafen einen kleinen Laden für den Verkauf nau­tischer Instrumente und deren Reparatur sowie für Seekarten und Literatur ein. Schon drei Jahre vor der Einrichtung des Ladens hatte Filby allerdings damit angefangen, eigene Sextanten herzustellen. Da diese Tätigkeit ohne offizielle Anmeldung erfolgte, wurde sie von den eingesessenen Kaufleuten der Stadt zum Schutz der eigenen Interessen verfolgt und geahndet. Die heimlich arbeitenden Handwerker, die auf den Dachböden arbeiteten und wie die Hasen gejagt wurden, wurden deshalb „Bönhasen“ genannt. Für ein eigenes Geschäft musste man das teuer zu erkaufende Hamburger Bürgerrecht besitzen. Filby erwarb dieses Bürgerrecht erst im Februar 1840.

1862 holte ihn dann seine Vergangenheit ein. In der Anzeige für die Geschäftsübergabe an seinen Nachfolger C. Plath schrieb er unvorsichtigerweise von dem „seit fünfundzwanzig Jahren geführten Geschäft von Nautischen Instrumenten und Seekarten“. Darin hatte er die dreijährige „Bönhasenzeit“ mit eingerechnet. Man zerrte ihn umgehend vor das Hamburger Handelsgericht, das ihn zu einer Strafe von 15 Mark verurteilte. Die offizielle Existenz des Geschäftes wurde demnach auf 22 Jahre reduziert. Die Verurteilung war um so peinlicher, als Filby mittlerweile Bürgerschaftsabgeordneter war.

Carl Plath wurde am 25. Dezember 1825 als Sohn des Pastors der Michaeliskirche geboren. Im Mai 1843 trat er eine Lehre in der international angesehenen Instrumentenbaufirma Repsold an. Nach fünfjähriger Ausbildung folgten die Wanderjahre, die unter anderem nach Berlin zu Pistor & Martins führten. 1852 kehrte er nach Hamburg zurück und erwarb das Bürgerrecht.

Als Filby’s Geschäft zum Verkauf stand, griff Plath zu, da sein eigener Handel mit geodätischen Instrumenten nicht recht florierte. Filby’s Firma für Navigationsinstrumente konnte dagegen über Aufträge nicht klagen. Die Nähe zum Hafen und der sich ausweitende Weltverkehr ließen auch in Zukunft ein gutes Geschäft erwarten. Plath erwarb von Repsold eine Kreisteilma­schine und war nun in der Lage, die Gradbögen seiner Sextanten präzise zu gravieren. Die Firma hieß von da an „C. Plath, D. Filby’s Nachfolger“.

Die Entstehung des Norddeutschen Bundes von 1866 führte auch zur Einrichtung der Norddeutschen Seewarte. Sie hatte die Aufgabe, die Navi­ga­tionsinstrumente (Kompasse, Sextanten und Chronometer) zu prüfen und einheitliche Beur­tei­lungs­kriterien aufzustellen. Instrumentenbauer brauchten nun entsprechende Qualitätsreferenzen der Seewarte. Eine Schwachstelle des deutschen Instru­mentenbaus war zu dieser Zeit die Kompassfer­ti­gung. Sehr gute Kompasse waren nur in England zu bekommen.

1876 stellte C. Plath seine ersten Kompasse auf der Hamburgischen Gewerbeausstellung vor. Als kurz darauf Lord Kelvin in England einen neuen Kompass mit magnetischer Kompensation für die eisernen Dampfschiffe entwickelte, verlegte sich Plath sofort auf diese Konstruktion. Die neuen großen Dampferlinien der Hamburg-Amerika-Linie oder der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschifffahrtsgesellschaft versprachen ein gutes Geschäft.

England

Ein berühmter Instrumentenbauer des 17. Jahrhunderts in England war Walter Hayes. Er gehörte der Gilde der Händler und später der Gilde der Uhrmacher an. Für die Instrumentenbauer gab es keine eigene Gilde. Von 1653 bis 1684 hatte Hayes seinen Firmensitz „next door to the Pope’s Head Tavern near Bethlem Gate in Moorfields, London“. Er arbeitete unter seinem Zeichen der „Cross Daggers, (Gekreuzte Dolche)“.

Als Werkstoff für seine Instrumente verwendete Hayes Silber, Messing oder Holz. Er bildete mindestens 15 Lehrlinge aus, darunter den später ebenfalls bekannt gewordenen Edmund Culpeper (Culpepper). Aus Reklamegründen und um sein Angebot zu erweitern arbeitete er mit anderen Instrumentenbauern zusammen. Zu seinem Angebot gehörten Kompasse, Nachtuhren, Quadranten, Sonnenuhren, Globen und eine große Zahl mathematischer Instrumente. Von Hayes ist eine kleine Zahl sehr guter Instrumente erhalten geblieben, wobei seine Quadranten besondere Anerkennung finden.

Bei seinem Lehrling und späteren Geschäftsnachfolger Culpeper sieht es dagegen anders aus. Immer wieder werden in Auktionen und von sehr guten Händlern seine Instrumente angeboten. Häufig sind Äquinoktialsonnenringe und Mikroskope dabei. Culpeper war Mitglied der Gilde der Händler und der Gesellschaft der Brillenmacher und führte in seinem Verkaufskatalog unter anderem Brenngläser, Brillen, Hadley‘s Quadranten, Magnetsteine, Mikroskope, Prismen, Sektoren, Sonnenuhren und Teleskope. Besonders bekannt ist seine Erfindung des „dreifüßigen“ zusammengesetzten Mikroskops.

Frankreich

Ein bekannter französischer Instrumentenbauer war Nicolas Bion (zirka 1652 bis 1733), der 1716 sein „Traité de la construction et des principaux usages des instruments de mathématiques“ (Abhandlung über die Konstruktion und den prinzipiellen Gebrauch mathematischer Instrumente) erstmalig herausgab. Dieses Buch wurde bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich und England fortwährend neu aufgelegt und auch ins Deutsche übersetzt. 1758 hatte Edmund Stone einer englischen Neuauflage einen Nachtrag hinzugefügt, indem beispielsweise die Spiegelteleskope von Gregory und Newton beschrieben wurden. Bion war ein Meister seines Fachs, jedoch sind ihm wohl keine besonderen technischen Innovationen zu verdanken. Die wenigen von ihm erhaltenen Instrumente zeugen allerdings von seiner hohen Werkmannskunst, die ihm auch die Ernennung zum „Ingenieur des Königs“ einbrachte. Zu seiner Zeit müssen seine Instrumente sehr begehrt gewesen sein. Sein besonderes Verdienst liegt unter anderem in seiner umfassenden Abhandlung über den Bau und die Anwendung von Instrumenten der Astronomie, Landvermessung, Mathematik und Navigation. Die letzte englische Neuauflage seines Buches stammt aus dem Jahr 1995.

Niederlande

In dieser Zeit begegnet man in den Niederlanden sehr häufig dem Namen Johannes II van Keulen (JvK), Sohn des Gerard van Keulen und Vater von Gerard Hulst van Keulen. Johannes I van Keulen war ein bekannter Kartograph und Vater von Gerard van Keulen. Alle vier waren Mitglieder der Buchhändler-Gilde.

Johannes II van Keulen war sehr erfolgreich im Handel mit Instrumenten. Sein Name ist besonders oft auf Jakobsstäben (graadbogen) zu finden. Auf alten Ankaufslisten der „Vereinigten Ostindischen Kom­panie“ kann man feststellen, dass JvK im 18. Jahrhundert Hunderte von Jakobsstäben geliefert hatte. Man fragt sich heute, bei dem mageren weltweiten Bestand von zirka 100 Jakobsstäben, wo sie alle geblieben sind. Da es sich damals um preiswerte Winkelmessinstrumente handelte und sie in der Kompanie auch verstärkt zu Ausbildungszwecken an die unteren Dienstgrade verteilt wurden, wurden sie als Gebrauchsartikel wohl nicht besonders gut behandelt. Von 1751 an belieferte van Keulen die Kompanie auch mit den 1731 erfundenen und erheblich teureren Oktanten.

Etwas abseits der Pfade taucht noch ein Name auf: Antonie van Leeuwenhoek. Der in Delft lebende Tuchmacher mit geringer Schulbildung und keinerlei wissenschaftlicher Ausbildung überraschte 1675 die Londoner Royal Society mit Zeichnungen eines Mikroskops, das unglaubliche 275fache Vergrößerungen erlaubte. Wie er das erreicht hat, ist bis heute nicht geklärt. Seine Mikroskope sind eigentlich mehr Lupen mit einer kleinen eingelassenen Glasblase, die man in der Hand halten muss. Leeuwenhoek hat 1676 mit einem seiner Instrumente die Protozoen entdeckt, die winzigen Geschöpfe, von denen 8.280.000 in einem Wassertropfen existieren.

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