Umweltfreundliche Entsorgung von Booten und Yachten

Während Holz- und Metallyachten am Ende ihrer Lebensdauer relativ einfach entsorgt beziehungsweise recycelt werden können, sieht dies bei dem umfangreichen Materialmix in Kunststoffbooten ganz anders aus. Als Resultat rotten aktuell zwischen ca. 20.000 bis 30.000 nicht mehr genutzte Boote und Yachten in deutschen Häfen oder an Land vor sich hin, was nicht zuletzt für die Umwelt gravierende Folgen haben kann. Durch jedes Schiff, das nicht fachgerecht im Sinne der Kreislaufwirtschaft entsorgt wird, gelangen schädliche Mikroplastik-Fragmente und Gefahrenstoffe in Böden und Gewässer und nehmen Einfluss auf die Gesundheit von Menschen und Tieren. Anders als zum Beispiel in Frankreich gibt es in Deutschland noch keine gesetzliche Lösung für einen nachhaltigen Umgang mit sogenannten End-of-Life-Booten.

Als erstes Unternehmen bundesweit haben die Gründer Jens Mahnke und Mark Walberg mit der ReBoat GmbH in Hamburg nun eine innovative und gleichzeitig kostengünstigere Recycling-Methode entwickelt, bei der durch die Rückgewinnung hochwertiger Rohstoffe sowie die Aufbereitung und Wiederverwertung von schwer recycelbaren Materialien wie glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) für einen ökologisch sinnvollen und umweltbewussten Umgang mit den im Bootsbau verwendeten Ressourcen gesorgt wird.

Ein Boot besteht aus bis zu 18 Baustoffen, darunter verschiedene Grundbaumaterialien wie Holz, Stahl und GFK sowie Gefahrenstoffe wie z.B. Treibstoffe und Hydrauliköle. Tatsächlich sind alle im Bootsbau verwendeten Materialien recycelfähig und können nach der Abfallhierarchie in unterschiedlichen Stoffströmen in den Markt zurückgeführt werden. Mit dem Ziel der ganzheitlichen Rückführung ebendieser Stoffe setzt das Konzept von ReBoat das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) vom Rückbau über die Materialtrennung bis hin zur Reintegration der recycelten Rohstoffe in diversen Schritten um.

Der Prozess kann je nach Größe, Gewicht und Grundbaustoff des Bootes von wenigen Stunden bis zu drei Tagen dauern. Neben teils aufwendigen händischen Zerkleinerungsarbeiten, dem Durchlauf von Trenn- und Sortieranlagen mittels Magnet- und Sensortechniken beinhaltet die Methode ebenso die Wiederaufbereitung des besonders umweltschädlichen glasfaserverstärkten Kunststoffes. GFK lässt sich zwar technisch recyceln, die Verfahren sind jedoch wirtschaftlich nicht sinnvoll, da das aus den Recycling-Prozessen entstehende Produkt rund fünf Mal so teuer wäre wie die Ursprungsfaser. ReBoat kooperiert mit der Partnerfirma neocomp GmbH, die darauf spezialisiert ist, die glasfaserhaltigen Verbunde umweltschonend weiterzuverarbeiten. Die aufbereiteten GFK-Verbundstoff-Rezyklate werden zu 100 Prozent thermisch und stofflich verwertet. Das zerkleinerte GFK wird anschließend als Rohstoffsubstitut in der Zementindustrie eingesetzt. Die aufbereiteten glasfaserverstärkten Kunststoffe ersetzen fossile Brennstoffe wie beispielsweise Kohle und die aus der Asche gewonnenen Silikate können anstelle von Sand eingesetzt werden. Dieses Verfahren für GFK-Abfälle stellt derzeit den ökonomisch und ökologisch sinnvollsten und damit auch nachhaltigsten Entsorgungsweg in Europa dar. Mit insgesamt 20 Partnerfirmen, die für die Wiederaufbereitung der einzelnen Rohstoffe und die Logistik zuständig sind, arbeitet das Unternehmen aus Hamburg aktuell zusammen. Seit Betriebsaufnahme im Herbst 2020 wurden durch ReBoat bereits einige Boote umweltfreundlich recycelt, in 2021 will das Start-up ganze 100 Wasserfahrzeuge nachhaltig entsorgen.

www.re-boat.de

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